Warum wir Kolophon heißen

Am Ende mittelalterlicher Handschriften steht oft ein kurzer Absatz. Wer geschrieben hat, wo, und wann er fertig wurde. Manchmal auch, dass ihm die Hand wehtut. Dieser Absatz heißt Kolophon. Später wanderte er in gedruckte Bücher, wurde zur Druckermarke, dann zum Impressum, das heute meist im Kleingedruckten steht.

Als wir 2019 einen Namen für den Verlag brauchten, haben wir lange über Autorennamen, Ortsnamen und erfundene Wörter nachgedacht. Am Ende blieb ein Begriff übrig, der genau das beschreibt, was uns wichtig war: dass am Ende eines Buches sichtbar bleibt, wer daran gearbeitet hat. Nicht nur der Name auf dem Cover.

Ein Buch über das eigene Wort

Vor zwei Jahren haben wir selbst ein Buch über dieses Wort verlegt. Anton Bergk verfolgt den Kolophon durch sechs Jahrhunderte, vom Schreiberseufzer bis zum modernen Impressum. Nebenbei erzählt er die Geschichte eines Berufsstands, der sich beharrlich weigert zu verschwinden, der der Setzerinnen und Setzer, der Korrektorinnen, der Buchbinder.

Der Band trägt selbst einen Kolophon auf der letzten Seite. Wie jedes Buch, das bei uns erscheint. Dort steht, wer lektoriert hat, wer gesetzt hat, auf welchem Papier gedruckt wurde und in welcher Schrift. Keine Marketingzeile, kein Impressum-Pflichttext. Nur die Namen der Leute, die das Buch tatsächlich gemacht haben.

Uns gefällt daran, dass der Name unseres Verlags gleichzeitig eine Arbeitsanweisung ist. Wenn ein Buch bei uns rausgeht, muss am Ende stehen können, wer dafür geradesteht. Das ist der ganze Anspruch, in einem Wort.